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Steinbrück redet sich ins Abseits

Posted By Alfons Pieper On 31. Dezember 2012 @ 13:38 In Unsere Themen | 2 Comments

„So klug, so dumm“, überschrieb SZ-Chefredakteur Kurt Kister seinen Kommentar zu den jüngsten Äußerungen des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, die Kanzlerin verdiene zu wenig. Um wem das noch nicht ausreichte, um sich zu fragen, ob der Kandidat denn noch alle habe, für den Zeitgenossen schob er im selben Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung nach, dass Angela Merkel vom Frauenbonus profitiere. Man fasst sich an den Kopf, dass ein so kluger Mann wie Steinbrück sich so unfassbar dumm verhält, ja sich ins Abseits redet.

Natürlich kann man der Meinung sein, dass der Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gemessen an den Anforderungen des Amtes zu schlecht bezahlt wird. Das haben Journalisten schon des Öfteren geschrieben. Aber es macht den entscheidenden Unterschied aus, wer sich zu diesem Thema äußert. Und wenn der Kandidat für das wichtigste politische Amt, das die Republik durch eine Wahl zu vergeben hat, dies tut, dann tritt er ins Fettnäpfchen. Er muss ja nicht Bundeskanzler werden, er kann ja, wie er das in der Vergangenheit mit großem finanziellem Erfolg für sich getan hat, wieder auf Vortragsreise gehen. Dort ist er bekanntermaßen zum Rede-Millionär geworden.

Dass ausgerechnet Altkanzler Gerhard Schröder(SPD) in einem anderen Interview darauf hinweist, dass seiner Meinung nach Politiker angemessen bezahlt würden und er „ jedenfalls immer davon habe leben können“, spricht Bände. Und damit niemand Schröder in die falsche Ecke stellt: Schröder kassiert die große Kohle erst seit seinem Ausscheiden aus dem Amt. Das macht einen feinen Unterschied. Ob der Altkanzler mit seinen Worten den Parteifreund gemeint hat oder nicht, interessiert nur am Rande. Die Kanzlerin selber ließ über ihren Sprecher äußern, das Gehaltssystem in Staatsämtern habe sich „alles in Allem bewährt.“ Der Kanzlerkandidat der SPD beweist erneut, dass er nicht über sehr viel Sensibilität verfügt. Man kann auch von mangelndem Fingerspitzengefühl reden. Das hatte er ja schon hinlänglich vermissen lassen durch seine lukrative Nebentätigkeit, die er neben seinem Mandat als Bundestagsabgeordneter hat ausüben können. Wundert es da jemand, dass der einfache Mann draußen zu der Auffassung kommen kann, der Abgeordnete müsse gar so viel arbeiten. Wie sonst könne er denn so viele Vorträge übers ganze Jahr verteilt halten?!

Auch das Thema Beraterverträge ist noch nicht ausgestanden. Natürlich hat es ein Geschmäckle, wenn das Bundesfinanzministerium, dessen oberster Dienstherr Peer Steinbrück von 2005 bis 2009 war, eine Kanzlei mit millionenschweren Beraterverträgen beauftragt, und dieselbe Kanzlei später den Ex-Minister und SPD-Bundestagsabgeordneten einen Vortrag halten lässt und dem Redner dafür 15000 Euro bezahlt. Alles legal, sagen die einen und bedenken dabei nicht, dass die Frage viel wichtiger sein könnte, ob auch alles legitim sei, im Sinne von anständig.

Wer eigentlich berät Peer Steinbrück? Ist da niemand, der abrät, der zur Vorsicht mahnt, zur Umsicht? So jedenfalls entsteht der Eindruck, dass er schlecht beraten ist. Der Kandidat sollte sich mit den wahren Problemen dieses Landes beschäftigen, mit den Fragen, die die Leute bewegen, mit dem Mindestlohn, mit der Arbeitslosigkeit, mit den dürftigen Hartz-IV-Sätzen, mit den Sorgen des Opelaners in Bochum und Umgebung, der nicht weiß, wie es nach Schließung des Werks im Ruhrgebiet weitergehen soll. Er sollte über die auseinanderdriftende Schere zwischen Reich und Arm reden, über die alleinerziehende Mutter, über die Renten, über die Integration. Das sind die Probleme, die die Menschen in Deutschland bewegen, aber doch nicht, was eine Kanzlerin verdient.

Der Kanzlerkandidat der SPD ist in der Defensive, die er selbst verschuldet hat. Wie er da noch herauskommen will, ist ein Rätsel. Die Kanzlerin, da kann man sicher sein, lacht sich ins Fäustchen.


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