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Zwischen Arm und Reich

Posted By Alfons Pieper On 30. Dezember 2012 @ 16:10 In Unsere Themen | 2 Comments

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander in Deutschland. Gleichzeitig ist zu lesen, dass es den meisten Deutschen besser geht als je zuvor. Das ist kein Widerspruch. Die Reichen werden immer reicher, die Armen bleiben arm oder fallen noch weiter zurück. Nur wenige noch schaffen den Sprung von unten nach oben. Und auch das stimmt: Armut ist relativ. Arme in Deutschland könnten mit ihren bescheidenen Einkünften in Afrika gut leben. Aber solche Vergleiche sind unfair, weil die Lage in Deutschland eine andere ist als die in Ghana oder Somalia. Die Durchschnittsverdienste hier im Lande liegen nun mal viel höher als in Afrika und auch der Lebensunterhalt hier ist viel, viel höher als dort. Und nur daran sollte man Armut festmachen. Soziale Gerechtigkeit gibt es schon länger nicht, sie wird zunehmen, wenn wir nicht aufpassen, gegensteuern. Der soziale Frieden ist ein hohes Gut, auch für die Superreichen.

Deutschland ist ein reiches Land. Stimmt. Aber die wachsenden Probleme lassen sich nun mal nicht einfach vom Tisch wischen, als gäbe es dort nur einen schmutzigen Fleck. Nehmen wir nur die wachsende Zahl der Menschen mit Niedriglöhnen, in Billigjobs, die mit ihren Verdiensten kaum über die Runden kommen. Von rund sieben bis acht Millionen ist da die Rede. Und es bedarf keiner kühnen Prophetie, dieser Gruppe zu bescheinigen, dass sie im Alter ziemlich arm sein werden. Was das Schlimmste ist. Armut im Alter.
Ja doch, der heutigen Rentner-Generation geht es gut, besser als je zuvor. Und auch die nächsten Senioren werden von ihren Alterseinkünften gut leben, verreisen können in alle Länder dieser Welt. Aber es gibt auch heute schon ältere Zeitgenossen, die nur eine Mini-Rente bekommen, von der sie gerade so leben können, mehr nicht.

Die Zahl der Jugendlichen, die zumindest armutsgefährdet sind, nimmt zu. Sie blicken vielfach in eine Zukunft, die düster aussieht. Nicht wenige von ihnen sind ohne Schulabschluss, ohne berufliche Ausbildung. Jeder zweite Berufsanfänger hat nur eine befristete Stelle. Perspektive? Nullkommanull. Ihnen gegenüber stehen junge Menschen aus wohlhabenden Familien, aus Familien, deren Eltern vielfach Akademiker sind und gut verdienen. Sie machen ihren Weg, als wäre er ihnen vorgezeichnet. Die Eltern können ihnen helfen, weil sie selber ausgebildet und oft auch gebildet sind. Sie wissen um die Bedeutung des Wissens, des guten Schul- und Berufsabschlusses für den Aufstieg. Sie achten darauf, dass ihren Kindern Hindernisse erspart bleiben oder greifen notfalls ein, indem sie ihnen Nachhilfeunterricht oder ähnliches besorgen. Dass in diesen Generationen irgendwann Neid aufkommen kann, dass sich irgendwann mal die einen gegen die anderen wehren, damit muss man rechnen. Man sollte es aber nicht einfach hinnehmen, als gäbe es keinen Ausweg. Besser wäre es, dieser gefährlichen Entwicklung gegen zu wirken.

Nicht nur durch einfache Umverteilung, aber auch dadurch. Die Reichen sind nur eine kleine Minderheit. Sie machen vielleicht zehn Prozent unserer Gesellschaft aus. Aber ihnen gehört mehr als die Hälfte des Vermögens im Lande, während die andere Hälfte mit fast leeren Händen da steht.

Wenn Banker versagen und die Bank vor die Hunde droht, greift der Staat ein und zahlt die vielen, vielen Milliarden. Und die Banker? Erhalten weiter Millionen Euro. Beispiel Hypo Real Estate. Der Staat, das sind wir, die Steuerzahler, wir zahlen die Zeche der Reichen. Das ist eine Verallgemeinerung, ich weiß, aber es ist auch ein Teil der Wahrheit. Und dass die einfachen Menschen sich darüber ärgern- eine höfliche Umschreibung ihrer grenzenlosenWut – kann man verstehen.

Wundert sich die FDP wirklich darüber, dass sie zunehmend unbeliebter geworden ist, wundert sich darüber etwa Herr Rösler oder Herr Westerwelle? Wenn diese Politiker von Steuersenkungen reden, haben sie fast immer nur die Besserverdienenden oder die Bestverdiener im Auge.
Ungleichheit hat es immer gegeben, wir werden sie nicht abschaffen können. Aber wir können mehr tun als heute. Wir müssen mehr in Bildung investieren, gerade in die Bildung und Ausbildung von Kindern aus sozial schwachen Schichten. Gerade für sie ist Kinderbetreuung von früher Kindheit an wichtig, ja existenziell für unsere Gesellschaft. Kinder von Ausländern müssen früh die deutsche Sprache lernen, sonst bleiben sie vielfach ohne Schul- und Berufsabschluss. Und ohne qualifizierte Abschlüsse droht ihnen Arbeitslosigkeit, Hartz-IV, ein Weg in die Armut. Wir brauchen Mindestlöhne, damit die Menschen von ihrem verdienten Geld ihr Leben gestalten, eine Familie gründen können. Nur so verhindert man Ausbeutung.

Das alles kostet Geld, natürlich. Aber haben wir nicht den Banken und Bankern Milliarden über den Tisch geschoben? Einfach so. Und jetzt fehlen uns ein paar Hundert Millionen oder eine Milliarde für die untere Schicht der Gesellschaft, dafür, dass Kinder von Alleinerziehenden einen Platz in der Kita bekommen, eine gute Ausbildung erhalten, eine Perspektive für eine Zukunft, die sich lohnt? Wir sollten nicht von Steuersenkungen reden, sondern zum Beispiel den Spitzensteuersatz erhöhen. Die Reichen werden es kaum merken und der Gesellschaft wird eine solche Politik gut bekommen, weil sie eine noch tiefere und größere Spaltung der Gesellschaft verhindern kann, weil sie hoffentlich dafür sorgt, dass uns der Laden nicht um die Ohren fliegt.


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