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Auschwitz, die Machtergreifung Hitlers, Reichstagsbrand, Ermächtigungsgesetz Gedenktage erinnern und mahnen an die Nazi-Barbarei

27. Januar 2013 · von Alfons Pieper

Am 27. Januar 1945, also vor 68 Jahren, wurde das Konzentrationslager Auschwitz von der Roten Armee befreit. Daran kann man nicht oft genug erinnern. Auschwitz steht für den Holocaust, die Industrie, die erst geschaffen wurde, um Millionen Juden zu ermorden. Es passt ins historische Bild, dass wir nur wenige Tage später, am 30. Januar an den 80. Jahrestag der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten erinnern, an den 30. Januar 1933, als Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler einer Regierung ernannte, einer schwarz-braun-reaktionären Regierung mit Hitler als Chef. Am 27. Februar 1933 brannte der Reichstag, für Hitler das Fanal, die in der Weimarer Verfassung verbrieften Grundrechte durch den greisen Reichspräsidenten außer Kraft setzen zu lassen. Und schließlich folgte der 23. März 1933, als das Ermächtigungsgesetz beschlossen wurde, einzig die Sozialdemokraten stimmten geschlossen mit Nein, die Kommunisten waren bereits ausgeschaltet. Nun hatten die Nazis alle Möglichkeiten, nichts hielt sie mehr. Die Dämme waren gebrochen. Das Unheil nahm seinen Lauf.

Richard von Weizsäcker hat als erster Bundespräsidenten die Zusammenhänge beim Namen genannt. „Wir dürfen den 8. Mai 1945 nicht vom 30. Januar 1933 trennen“. Das war der Kernsatz seiner viel beachteten Rede am 8. Mai 1985, 40 Jahre nach der Befreiung Deutschlands von der braunen Diktatur durch die Alliierten. Ja, Weizsäcker sprach bewusst von der Befreiung der Deutschen durch die Alliierten. Davon, dass viele Deutsche zugesehen oder weggesehen hätten, als die Nazi-Schergen Juden abholten, um sie wie Vieh in die Vernichtungslager zu transportieren. Man muss an die deutschen Verbrechen erinnern, der Millionen zum Opfer fielen.

Die genannten Gedenktage gehören zusammen, sie sind nur ein Auszug aus einer großen Tafel von vielen anderen Gedenktagen, die uns heute Schauer über den Rücken laufen lassen. Wozu Menschen doch in der Lage sein können, wenn man ihnen die Macht gibt. Man muss daran erinnern, gerade weil immer wieder Neonazis es nicht wahrhaben wollen, was damals passiert ist, weil sie immer noch als Ewiggestrige mit diesen widerlichen Parolen durch die Straßen mancher Stadt laufen, man muss daran erinnern gerade wegen der NSU-Mordserie, die die Republik erschütterte, gerade weil es in einigen Kleinstädten im Osten Deutschlands Straßen geben soll, die von den braunen Erben beherrscht werden. Warum lassen wir solche Freiräume zu, warum lassen wir zu, dass sich anständige Bürger ängstigen?

Auschwitz muss man sehen, das einstige Vernichtungslager Birkenau. In Polen liegt es, rund 60 Kilometer von Krakau entfernt. Man muss die Inschrift lesen: Arbeit macht frei. Welch ein Hohn! Man muss die Kinderschuhe sehen, die Haare der vergasten Menschen, ihre Koffer, hinter Glas sind die Reste der Morde zu besichtigen. Man muss die Räume sehen, die winzigen Betten, auf denen sie schliefen, die Reste der Gaskammern, die Bilder, die einem im Gedächtnis bleiben. Was man aufnimmt, bleibt einem fast im Halse stecken, wenn man es sieht und die Texte dazu liest. Wie aus dem Land der Dichter und Denker das Land der Richter und Henker wurde. Man kann auch nach Bergen-Belsen fahren, nach Dachau, Mauthausen, Theresienstadt, Maydanek, die Straße des Nazi-Verbrechens ist lang. Man sollte wenigstens eines davon gesehen haben, im Grunde die Pflichtaufgabe für jeden deutschen Schüler.

Man muss über die Machtergreifung der Nazis immer wieder reden, darüber, wie das möglich war, dass quasi über Nacht jegliches Recht in Scherben brach, wie Willkür Recht ersetzte, wie Terror in Deutschland das Kommando übernahm.

Wir müssen in den Schulen immer wieder darüber informieren, wie es möglich war, dass die Nazis in wenigen Jahren vorher geachtete Menschen als Feinde der Republik abstempeln konnten, wie sie den Juden systematisch jedes Recht nahmen, bis sie als Freiwild gesehen wurden, das man einfach abknallen durfte. Es war ein systematischer Weg, der 1933 beschritten wurde und in den Gaskammern von Auschwitz endete, systematisch wurden die Juden ausgegrenzt, entrechtet, lächerlich gemacht, es war die Absicht, sie zu isolieren, damit die anderen Deutschen auf Distanz gingen, damit sie wegschauten, keine Notiz von ihnen nahmen, als man sie abtransportierte, damit man wegschaute, als man sie verprügelte und ihnen die Scheiben einschmiss.

„Die Diktatur des Dritten Reichs hatte sich etabliert“, wie der Herausgeber des Berliner Tagesspiegels, Dr. Hermann Rudolf, in einem feinen Stück über Hitlers Machtergreifung schreibt. Ja, Unrecht war zum Recht geworden, wer das kritisierte, geriet schnell an die Wand, ins Gefängnis oder ins KZ. Es gab Widerstand, immer mal wieder, aber es waren doch nur wenige, die den Mut dazu hatten. Und es darf nicht unerwähnt bleiben, dass ein Teil der deutschen Elite bei der Machtergreifung Hitlers Spalier stand und jubelte.

Zwölf Jahre, die ins Verhängnis führten. Am Ende lag Deutschland am Boden, war aus der Reichshauptstadt Berlin eine Trümmerwüste geworden, von den Zerstörungen im Ruhrgebiet, in Hamburg, Köln, Dresden nicht zu reden. Angefangen hatte es am 30. Januar 1933 und es endete mit dem 8. Mai 1945 und für viele Zeitgenossen noch später, weil sie vertrieben wurden oder weil sie in Gefangenenlagern für die Verbrechen der Nazis büßen mussten. Was keine Rechtfertigung dieser schlimmen Untaten bedeutet. Der Krieg kostete über 50 Millionen Menschen das Leben.

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1 Antwort bis jetzt ↓

  • 1 Der Thomas von wirtschaft.com // Mrz 5, 2013 at 19:48

    Ich finde die ehemaligen Konzentrationslager sind nicht nur bildend für Schüler, sondern für jeden. Wenn man sich wundert wie grauenvoll es dort zugegangen sein kann, wenn man sich eine Vorstellung darüber machen möchte, dann ist kein Buch oder Dokumentation so nahe gehend wie ein einziger Besuch in einem ehemaligen Konzentrationslager. Aber du hast in deinem Artikel das Grauen schon sehr gut wiedergegeben. Mir hat es Gänsehaut bereitet.

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