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Brüder, zur Sonne, zur Freiheit Die SPD wird 150 Jahre alt- eine Wanderausstellung jetzt in Bonn

Posted By Alfons Pieper On 9. Januar 2013 @ 16:46 In Unsere Themen | 1 Comment

„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“ sang ein Chor zur Eröffnung der Wanderausstellung zum 150. Geburtstag der SPD, die bis zum 29. Januar in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn gezeigt wird. Klassisch, historisch, wie es sich für die älteste deutsche Partei gehört. Denn die SPD lebt mit ihrer Geschichte, aus ihrer Geschichte. Aber man beließ es nicht dabei, die Erfolge zu feiern, auf die Verfolgungen und Verbote durch die Obrigkeit hinzuweisen, nein, man sprach auch von den Brüchen, die die Geschichte dieser Partei kennzeichnet. Die SPD ist nun mal eine Partei, die streitet, auch um ihre Identität, sie ist kein Kanzlerwahlverein.

Die Geschichte der SPD ist ein stetiger Kampf um Freiheit gewesen, Freiheit der Rede, der Versammlung, freie Wahlen, gegen Zensur. Kein Geringerer als das immer noch größte Idol der Partei, Willy Brandt, hat zeit seines Lebens immer den Begriff der Freiheit an die Spitze seiner Wünsche und Hoffnungen Forderungen gestellt. Ohne Freiheit ist anderes nichts.

Der Kölner SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Mützenich, Mitglied des Vorstands der Ebert-Stiftung, wies denn auch zu Beginn seiner kurzen Begrüßungsrede auf den Freiheitskampf der alten SPD zurück, auf die Zeit zum Beispiel, als Sozialdemokraten Kölner Ortsvereine (aber nicht nur diese)sich im 19. Jahrhundert noch heimlich versammeln mussten, weil Bismarck die SPD durch das Sozialistengesetz verboten hatte. Also hätten die Genossen Beerdigungen ihrer Freunde zu Demonstrationen genutzt, man habe sich in Hinterzimmern getroffen. Spitzelberichte an den Regierungspräsidenten zeugten heute noch von den Verfolgungen, denen die Vorfahren ausgesetzt gewesen seien.

Auf Willy Brandt bezog sich Dr. Wolfgang Uellenberg-van-Dawen, ein Historiker und Mitglied der Gewerkschaft „verdi“, eine Gewerkschaft, die sich schon immer kritisch mit der SPD auseinandergesetzt hat. Dawen, der die Festansprache hielt, schilderte, dass er in den 60er Jahren wie 300000 andere wegen Willy Brandt der SPD beigetreten sei. Es war die Zeit der unruhigen Jugend in Deutschland, der Kampf gegen die Notstandsgesetze, der Kampf für mehr Bildung, aber auch der Kampf gegen den Obrigkeitsstaat nach dem Muster der Adenauer-Ära, der Kampf gegen die Verdrängung der Nazi-Zeit, für Aufklärung, gegen den Paragraphen 218 und vieles anders mehr. Wer der SPD beigetreten sei, so Dawen, habe die Partei verändern wollen. Eigentlich wollten sie mehr, nämlich die Republik verändern. Sie wollten weg vom Kalten Krieg und mit der DDR und den anderen Ostblockstaaten reden, was nicht bedeutete, diese Art von Sozialismus zu mögen. Mit Dialog Grenzen überwinden, das war ihr Ziel.

Der Kniefall von Warschau durch den Bundeskanzler Willy Brandt hat sich in dieser Generation als Ereignis eingeprägt, das man nie vergessen wird. Ausgerechnet der Nazi-Verfolgte, der Emigrant Brandt, ein Mann des Widerstands bat um Vergebung für die Verbrechen durch Nazi-Deutschland. Willy Brandt, so Dawen, habe die Welt verändert.

Dawen übte in seiner sehr persönlichen Rede allerdings auch Kritik an seiner Partei, namentlich an der SPD-geführten Bundesregierung durch SPD-Kanzler Gerhard Schröder. Die Agenda 2010 habe zu einem Bruch zwischen SPD und Gewerkschaften geführt. Tausende von SPD-Mitgliedern verließen die Partei, die heute noch rund 480000 Mitglieder hat. Vor 40 Jahren hatte die SPD mal eine Million Mitglieder.

Die Fragen, die zur Gründung der SPD vor 150 Jahren führten, haben sich nicht erledigt. Es geht immer noch um soziale Gerechtigkeit, es geht darum, Menschen Löhne zu zahlen, von denen sie leben können, es geht darum, sich gegen jede Art von Ausbeutung zu wehren und dafür zu sorgen, dass sie im Alter abgesichert sind. Auch der Kampf gegen Rassismus ist nicht zu Ende.

Die Ausstellung präsentiert sozialdemokratische Vergangenheit, die ja auch deutsche Geschichte ist, sie zeigt eine Partei, die hin- und hergerissen ist zwischen moralischem Anspruch und politischem Pragmatismus, sie zeigt die Brüche und Hoffnungen, die Menschen mit SPD-Vorsitzenden wie Willy Brandt verbanden. Sie zeigt, welche üble Hetze Willy Brandt wegen seiner Exilzeit in Skandinavien in Deutschland erleiden musste. Die Geschichte der SPD ist auch eine Problemgeschichte der Gegenwart.

Nicht nur für Historiker-Freunde ist das Jahr 2013 ein besonderes Jahr. Es wird gewählt in Niedersachsen, in Bayern, im Bund und in Hessen. Zudem gedenkt die SPD nicht nur ihrer Gründung durch Ferdinand Lassalle, der am 23. Mai 1863 den Allgemeinen Arbeiter Verein-den Vorläufer der SPD- gründete. Sie erinnert ferner an den 100. Todestag von August Bebel am 13. August 1913 in Passugg(Schweiz) und an den 100. Geburtstag von Willy Brandt am 18. Dezember 1913 in Lübeck. Und zudem an den 80. Jahrestag des so genannten Ermächtigungsgesetzes am 23. März 1933, mit dessen Hilfe die Nazis im Grunde die Demokratie außer Kraft setzten und ihre alleinige Macht zementierten. Die SPD war die einzige Partei, die gegen das Gesetz stimmte. Die Rede ihres Vorsitzenden Otto Wels ist in der Ausstellung dokumentiert.

Die Ausstellung gibt an Hand historischer Dokumente einen Überblick über die sozialdemokratischen Symbole und Ideen und zeigt damit auch die wechselhafte deutsche Geschichte von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute. Sie ist bis zum 28. Januar in den Räumen der Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn, Godesberger Allee 149. zu sehen. Öffnungszeiten Montags bis Freitags 7 bis 20 Uhr.


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