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Die Liberalen plustern sich auf

Posted By Josef Fuchs On 29. Januar 2013 @ 23:08 In Unsere Themen | No Comments

Schamrot müssten sie werden, die Liberalen. Dieser herrenwitzelnde Brüderle soll Spitzenkandidat einer Partei sein, in der einst kluge und engagierte Frauen wie Hildegard Hamm-Brücher, Liselotte Funcke oder Cornelia Schmalz-Jacobsen für eine moderne Gesellschaft, für Frauenrechte und Emanzipation kämpften. Nichts könnte deutlicher machen, wie weit sich die FDP der Brüderles, Röslers, Niebels und Westerwelles von der Bürgerrechtspartei der sozialliberalen Zeit entfernt hat.

Statt die beschriebenen Entgleisungen Brüderles gegenüber einer „stern“-Journalistin als das zu beschreiben, was sie waren – Anmache eben -, beschreibt FDP-Generalsekretär Patrick Döring den Fraktionsvorsitzenden Brüderle als „charmant“.

Von Westerwelle bis Niebel plustern sie sich auf und wittern in der späten Veröffentlichung des „stern“ – erst ein Jahr nach den beschriebenen Annäherungsversuchen – eine Kampagne. Ein ziemlicher Blödsinn. Denn natürlich macht es Sinn, sich die Lichtgestalt Brüderle genau in dem Moment ein wenig näher anzuschauen, als Liberale wie Christian Lindner ihn am liebsten zum Parteivorsitzenden hätten machen wollen, sich aber dann mit dessen Rolle als Spitzenkandidat begnügen mussten.

Wer von seiner Partei so exponiert wird, muss damit rechnen, dass er von Journalisten durchleuchtet wird. Nicht anders ist es dem SPD-Kanzlerkandidaten gegangen, als nach seiner Nominierung längst vergangene Redehonorare unter die Lupe genommen worden. Es ist nicht bekannt, dass die FDP diesen Blick in Steinbrücks Vergangenheit als Kampagne gegeißelt hätte. Wer wie Brüderle die liberale Sache in die Zukunft führen soll, muss damit rechnen, dass Journalisten statt vorgetäuschter Modernität tatsächlichen Altherrenmuff an die Luft zerren.

Die FDP hat sich mit ihrem Spitzenmann für den Wahlkampf verzockt. Mangels ernsthafter inhaltlicher Arbeit haben sich die Kinderpolitiker Lindner und Rösler, Bahr und Döring und das Auslaufmodell Brüderle monatelang einen Stellungskrieg um den Vorsitz geliefert und statt Sachpolitik persönliche Interessenpolitik betrieben. Auf so widerliche und penetrante Art, dass es dem Koalitionspartner CDU zuwider wurde. Wenn aus der Union die Attitüden der Liberalen kommentiert werden, ist „halbseiden“ noch eine fast freundliche Vokabel.

So ist es kein Wunder, dass aus der CDU-Spitze auch zum Fall Brüderle nur eisiges Schweigen zu vernehmen ist. Zur Seite springt ihm niemand. Wie auch? Über Politik nach herrenwitzelnder Gutsherrenart ist die Zeit hinweg gegangen. Das im Übrigen hat Brüderles FDP schon einmal erfahren: Als rheinland-pfälzischer Landesvorsitzender ist er mit den Liberalen in hohem Bogen aus dem Landtag geflogen. Dass er die FDP jetzt im Bundestagswahlkampf über die Fünf-Prozent-Hürde heben soll, zeigt, wie kopflos die liberalen Überlebenskonzepte sind.


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