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Die neue politische Führung: Gutes Regieren statt Allüren

Posted By Josef Fuchs On 22. Januar 2013 @ 14:45 In Unsere Themen | 2 Comments

Mit Stephan Weil hat in Niedersachsen ein Politiker die Wahl gewonnen, der nicht ins Bild der Alphatiere und Egomanen passt. Ein sympathischer, unscheinbarer Arbeiter, ein Teamplayer, einer, der nichts zu tun hat mit dem zweifelhaften Ruf der Hannoveraner Lebewelt. Stephan Weil reiht sich ein in die wachsende Zahl der Länderregierungschefs, die ohne große Schlagzeilen, ohne Glamour einfach „Gutes Regieren“ zu ihrem Markenzeichen gemacht haben oder machen wollen.

Da ist Olaf Scholz, der Erste Bürgermeister in Hamburg, dem jede Schlagzeile über seine Person suspekt ist. Dem es im Zweifel egal ist, ob er beliebt ist, wenn denn seine Arbeit Anerkennung findet. Und darüber kann er nicht klagen. Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg. Der erste grüne Ministerpräsident. Ein bodenständiger, bürgernaher Arbeiter ohne Machtgebalze und Allüren.

Oder Christine Lieberknecht in Thüringen, Annegret Kramp-Karrenbauer im Saarland, CDU-Frauen, die unaufgeregt für ihr Land Politik machen. So wie es Hannelore Kraft, der häufig genug von den Medien die Rolle des sozialdemokratischen Superstars zugeschrieben wird, in NRW mit Erfolg tut. Oder Malu Dreyer (SPD) in Rheinland-Pfalz, kein unbeschriebenes, aber unspektakuläres Blatt.

Thorsten Albig in Kiel, der aus jeder Pore Seriosität ausstrahlende Jens Böhrnsen (SPD) als Bürgermeister in Bremen. Man könnte die Liste mit Erwin Sellering (SPD) in Mecklenburg-Vorpommern oder Reiner Haseloff (CDU) in Sachsen-Anhalt fortsetzen.

Das Spitzenpersonal in den Landesregierungen hat nichts mehr mit dem Selbstdarstellungsdrang vergangener Ministerpräsidenten-Generationen zu tun.
Ein neuer Politikertyp hat still und leise das Sagen in den Ländern und im Bundesrat übernommen.

Der letzte nicht zu übersehende Dröhnkopf und Macht-Macho unter den Ministerpräsidenten ist Horst Seehofer (CSU) in Bayern. Kein Wunder, dass ihn die CSU am liebsten zum Teufel wünschen würde, wenn er ihr einen letzten Gefallen getan und einen Wahlsieg in Bayern eingefahren hat.

Statt Länderfürsten a la Strauß, Späth oder Rau sind erste Dienerinnen und Diener der Länder am Zuge. Ein Wandel, der binnen weniger Jahre um sich gegriffen und bei den Wählern Zutrauen gewonnen hat. Eine stille Veränderung der politischen Landschaft, die noch nicht alle begriffen haben. Keiner der angeführten Protagonisten der – nennen wir es – neuen Bescheidenheit gehört zu den Dauergästen im endlosen Fernsehtalk. Dort treibt sich noch bevorzugt der Typus der selbsternannten Machtprotze herum, der Typus, dem ein kräftiger Spruch wichtiger ist als eine sachliche Information, der sich selbst lieber beleuchtet, als seine Politik zu erklären.

Die Wähler haben diesen Wandel mit ihrem Kreuzchen in aller Stille vollzogen, das alte Establishment in den Berliner Parteizentralen dagegen scheint ihn noch längst nicht in Gänze nachvollzogen zu haben. Da wird immer noch gern gedröhnt, auf Schultern und Brüste geklopft, getreu dem tradierten politischen Balzverhalten.

Vor allem einer sollte aus der gewandelten Akzeptanz von Politikertypen lernen: Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Ein bisschen weniger nassforsche Selbstdarstellung, ein bisschen weniger arrogant wirkendes Dozieren über die Köpfe hinweg und eine gehörige Anleihe bei der Bescheidenheit eines Stephan Weil. Das dürfte für die Monate bis September nicht schaden.


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