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Eine Trennung zur Unzeit

Posted By Dominik Grau On 8. Januar 2013 @ 18:01 In Unsere Themen | 1 Comment

Nun ist es also passiert. Das Ehepaar Wulff hat seine Trennung bekanntgegeben. Unabhängig von den zahlreichen emotionsgebeutelten Reaktionen, deren Charakter von A (wie Anteilnahme) bis Z (wie Zynismus) pendelt, ist ein Aspekt besonders augenfällig: der Zeitpunkt.
Man darf annehmen, dass ein Politprofi wie Wulff sehr genau weiß, wie sehr sich seine wahlkämpfenden Ex-Parteifreunde von der CDU in Niedersachsen wünschen, seinen Namen bis zum Wahltag am 20. Januar nicht mehr zu lesen, schon gar nicht als Aufmacher in der auflagenstärksten Tageszeitung der Republik. Kommt doch jetzt noch einmal die ganze Wulff-Affäre nach oben, die in den vergangenen Monaten mehr oder weniger aus dem Bewusstsein der breiten Wählermasse verschwunden war.

Wulffs Nachfolger als niedersächsischer Ministerpräsident David McAllister hatte folgerichtig auf dem Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer Hannover am Montag, 7. Januar, auch nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit. Die heimische „Hannoversche Allgemeine“ wusste zu berichten, dass die Gäste tuschelnd und augenzwinkernd Internethandys und iPads durch die Sitzreihen reichten, damit auch jeder die Neuigkeit mitbekam. McAllisters Umfeld habe das „seufzend zur Kenntnis“ genommen, berichtete die Zeitung. Eigentlich habe McAllister bis zur Wahl kein Wort mehr zu seinem langjährigen Förderer Wulff verlieren wollen.

Tatsächlich war der CDU-Spitzenkandidat mit dieser Taktik gut gefahren. Wie ein U-Boot auf Schleichfahrt umkurvte ein abgetauchter McAllister das Thema Wulff-Affäre monatelang, um nicht in den Sog zu geraten. Mit der öffentlich praktizierten maximalen Nichtbeachtung der Person Wulff hatte dessen langjähriger Weggefährte Erfolg. Die Umfragewerte der CDU unter McAllister stiegen von 35 Prozent im Mai 2012 auf zuletzt 40 Prozent Anfang Januar 2013. Das Wulff-Desaster war weit weg.

Aber es gab nicht nur Distanz. Es gab auch etwas anderes. Seit dem Frühsommer 2012 gelangten immer wieder Interna aus dem seit Februar laufenden Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover gegen Wulff an die Öffentlichkeit. Darunter waren mehrfach solche Neuigkeiten, die strafrechtlich keinerlei Relevanz besaßen. Sie waren nur geeignet, die persönliche Integrität des Ex-Bundespräsidenten in Zweifel zu ziehen. Die Staatsanwaltschaft selbst beschwerte sich auf höchst ungewöhnliche Weise öffentlich über diese Durchstechereien, die auch aus dem politischen Apparat stammen könnten, wie es damals hieß.

Seither wird in Hannover darüber gerätselt, wer der „Maulwurf“ sein könnte, der mit Wulff belastenden Ermittlungsergebnissen hausieren geht. Ende 2012 legte die Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ eine Spur, indem sie auf das zerrüttete Verhältnis zwischen Wulff und dem niedersächsischen Justizminister Bernd Busemann hinwies. Dieser weist jegliche Spekulationen weit von sich.

Dass Wulff über das ständige Anschwärzen sicherlich nicht amüsiert gewesen ist, dürfte auch McAllister inzwischen klar geworden sein. In einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ vom 6. Januar beklagt er jedenfalls, „dass so viele persönliche Details aus dem Ermittlungsverfahren an die Öffentlichkeit gedrungen sind, ist unfair“. Was war das? Ahnte McAllister, dass Wulff sich auf seine Kosten revanchieren könnte? War es der Versuch einer Entschuldigung?
Tatsache ist, für ein paar Tage sind die Wulffs wieder medial ganz vorne. Und, wer weiß, vielleicht hat der Ex-Bundespräsident mit dem Autor der Exklusivgeschichte ja noch eine Folgestory verabredet? Die beiden kennen sich ganz gut. Christian Wulff und „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann hatten schon verschiedentlich miteinander zu tun.


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