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Überbezahlte Vorstände und Aufsichtsräte

24. Januar 2013 · von Ole Moeller

Martin Winterkorn, der Chef von VW, konnte sich im Jahre 2011 über sein Vorstandsgehalt wirklich freuen: Sein Jahressalär hatte die mehr als stolze Summe von 16,6 Millionen Euro erreicht. Da die Geschäfte im Jahre 2012 noch besser liefen, dürfte das Gehalt für Martin Winterkorn auf rund 20 Millionen Euro steigen. Der VW-Chef steht damit nicht allein; viele seiner Kollegen in deutschen Unternehmen rangieren zumindest im einstelligen Millionen-Bereich, wenn es um ihr Einkommen geht.
Das gilt sogar für große Bereiche im Finanzsektor, obwohl manche hochdotierte Banker ihre Firmen in den letzten Jahren an den Rand der Pleite führten. Einige Banken konnten nur mit staatlicher Hilfe, für die alle Steuerzahler haften, vor der Insolvenz gerettet werden. Doch nur wenige Bankenvorstände mussten ihre dickgepolsterten Sessel räumen – zumeist mit üppigen Pensionszahlungen und nicht selten auch noch mit nachträglichen Boni-Vergütungen.

Gewiss geht es hier nicht um Neid, wenn die exorbitanten Vorstandsgehälter in deutschen Unternehmen auf den Prüfstand gestellt werden. Vielmehr geht es in unserer Sozialen Markwirtschaft um eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, in der – so einst Ludwig Erhard – “Maß gehalten“ wird. Viele Vergütungen sind ganz einfach maßlos.

Es mag da nicht überraschen, dass selbst der Gründer des Davoser Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, jüngst auf die großen Ungleichgewichte hingewiesen hat, die inzwischen zu den Gehältern von Arbeitern und Angestellten bestehen. Schwab merkte an, dass die Bezüge der Vorstände einfach zu hoch sind. Sie dürften “das 20fache des Gehalts des am schlechtesten bezahlten Angestellten in einem Unternehmen nicht übersteigen.“

Auf dem Weltwirtschaftsforum mögen die Großkopferten des Unternehmens nun darüber streiten, ob sie nicht vielfach über jedes Maß bei ihren Gehältern, Boni, Sonderzahlungen sowie anderen finanziellen und geldwerten Vorteilen hinausgeschossen sind. Das gilt für Vorstände und Geschäftsführer ebenso wie für Aufsichtsräte. Das Vertrauen in diese Wirtschaftskaste ist tief gesunken. Nur wenn sie in allen Bereichen wieder zu den Tugenden des “ehrbaren Kaufmanns“ zurückkehren, werden sie in unserer Gesellschaft wieder glaubwürdig und kreditfähig.

Geld stinkt nicht, so lautete die Devise eines römischen Kaisers, der später von seinem Volk verjagt wurde. Heute, rund 2000 Jahre später, sollten auch auf den noblen Vorstandsetagen Moral und Ethik einen Stellenwert haben und nicht von purer Profitgier vertrieben werden. Aktionäre, Anteilseigner und Gesellschafter sowie Aufsichtsräte sollten eingreifen und neue Maßstäbe für Vorstandsvergütungen, die zum einen transparent, zum anderen allen Mitarbeitern vermittelbar sind, festlegen.

Bei VW will der Aufsichtsrat im März über Grenzen von Vorstandsgehältern beraten. CEO Winterkorn will, so ist zu hören, danach als maßvoll dastehen, nicht als mildtätig.

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