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Blattkritik: „Klassischer Fehlpass“

10. März 2010 · von Peter Panter

lupeFür unangenehme Schlagzeilen in der politischen Berichterstattung den Kopf hinhalten müssen in der Regel diejenigen, die in vorderster Reihe stehen. Das wird gelegentlich sogar sichtbar. So notierte unter anderem die WAZ beim jüngsten Zukunftskongress der CDU, dass Ministerpräsident Jürgen Rüttgers „mit belegter und vergrippter Stimme“ Hof hielt und ließ ihn ihren Lesern erklären, der Vorwurf von Käuflichkeit – Stichwort ‚Sponsoring-Affäre‘ – sei ihm „unter die Haut gegangen“. Während der christ-demokratische Landesvorsitzende noch an den – auch medial abklingenden – Nachwehen zu leiden hatte, bekam er überraschend Genesungshilfe aus einer Richtung, mit der er nun wirklich nicht rechnen konnte. „Kraft für Rüttgers“ brachte etwa die Financial Times Deutschland auf den Punkt, womit die SPD-Vorsitzende nicht nur ihren eigenen Genossen überrumpelte, sondern auch gleich jeden – rechnerisch – möglichen Bündnispartner für einen Regierungswechsel am 9. Mai brüskierte: Ob CDU, Grüne oder Linke – Krafts auf den ersten Blick nur in saisonalen Nuancen – „Straße fegen statt Schneekehren“ (Westfälische Nachrichten) – von Westerwelle zu unterscheidendem Vorschlag, also der „Sommervariante des schneeschippenden Hartz-IV-Empfängers“ (Neue Ruhr Zeitung) empörte im Spektrum der Parteien nahezu jeden – außer den Liberalen.

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Blattkritik: „Tsunami in der Wasserstraße“

24. Februar 2010 · von Peter Panter

Die heutigen Schlkagzeilen werden JR nicht gefallenWas für eine Woche! – Wenn Politiker, und sei es nur verbal, über die Grenze des Anstands eindeutig hinausschießen, gibt’s was auf die Ohren. Mehr oder weniger mächtig.  Weniger bekam das Hannelore Kraft (SPD) zu spüren: Den sich ihr aufdrängenden  „zweifelsfreien Zusammenhang zwischen dem (nordrhein-westfälischen) Schulsystem und einer angeblichen steigenden Selbstmordrate bei Schülern“, mit dem die Aschermittwochsrede der SPD-Vorsitzenden u.a. die WAZ empörte, ist ein gelungenes Beispiel. Danke Hannelore! – Der Landesregierung vorzuwerfen, „sie treibe mit ihrer Schulpolitik Kinder in den Tod“ – ist ein bildungspolitischer Blickwinkel, dessen Koordinaten unsere Kollegen und wir gern etwas länger an ihr verortet hätten. Doch zum einen kam etwas dazwischen, und zum anderen ging die Oppositionsführerin angesichts des einsetzenden medialen Sperrfeuers einfach nur in Deckung. Auf Nachfrage z.B. von BILD etwa „zu dem von ihr ausgelösten Eklat, wollte sie keine Stellung beziehen“.

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Blattkritik: Beipackzettel für die CDU

20. Januar 2010 · von Peter Panter

Irgendwie scheint der Düsseldorfer Korrespondent der Rheinischen Post die Bilder von auf Wasser und Mahlzeiten wartenden haitianischen Kindern nicht aus dem Sinn bekommen zu haben. Am Montag erschütterte er mit erdbebenartigem Wortgetöse seine Leser. Natürlich ging es mal wieder um Jürgen Rüttgers, den Unantastbaren im Düsseldorfer Pressehaus. Hatte der Ministerpräsident laut RP seinen 1000 Gästen beim CDU-Neujahrsempfang in einer Düsseldorfer Bank doch mit einem Gläschen zugeprostet und ihnen versichert, er wolle die Zahl der hungernden Schulkinder weiter reduzieren.

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Blattkritik: Alltägliche Tücken im vitalen Wettbewerb

16. Dezember 2009 · von Peter Panter

Gesundheit ist ein hohes Gut. Gerade auch, wenn es um den – bisweilen weniger, andernorts noch sehr gesunden – Wettbewerb in den Medienlandschaften NRWs geht.
Beispiel Ostwestfalen: Nachdem Hendrik Wüst vergangenen Freitag der Hoffnung verfiel, das Rüstzeug der CDU – für die Unbilden der Zukunft im allgemeinen und die des Jahres 2010 im besonderen – vor den Journalisten der LPK schillern zu lassen, verlor das Bielefelder „Westfalen-Blatt“ anderntags nicht eine Zeile über die Pressekonferenz. Warum die ansonsten regierungstreuen Publizisten des „WB“ womöglich die wüst(ch)en Perspektivbetrachtungen völlig ignorierten, konnte der Ostwestfale nur beim örtlichen Wettbewerber „Neue Westfälische“ lesen: Die hatte beobachtet, der ‚General‘ habe das Ziel der Veranstaltung glatt unterlaufen. So hätte die eingeladene Journaille eindeutig mehr Interesse an der persönlichen Zukunft des Gastgebers gezeigt, als an dessen spektralen Polit-Visionen. Und mit unschwerer Treffsicherheit sezierte der Kommentator – auch noch – in sprachlicher Feinkost den Scherbenhauf des Porzellans, in das Doppel-Abzocker Hendrik Wüst einen weiteren Restbestandteil Wählervertrauens in die politischen Führungskader des Landes zerlegt hatte. ‚Chapeau, Kollege!‘ – ein herausragendes Zeugnis dafür, dass die ‚Provinzzeitungen‘ des Landes, abseits der Rhein-Medienkonzentration, viel zu oft leichtfertig und zu Unrecht geringschätzt werden. ‚Herausragend‘ muss man allerdings so und so verstehen. Das ist unser Alltag, auch in der Rhein-Schiene. Keiner von uns ist immer brillant.

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